Ein Redaktionsmärchen Teil 3
Eine "wissenschaftliche" Abhandlung über den generationenkonflikt



Um der Absenkung des Durchschnittlichen Raben-IQs aufgrund zu vieler belangloser und rein unterhaltender statt weiterbildender Märchen, wurde der Bericht dieser Ausgabe gegen einen Auszug aus einer Rede der Generationenforscherin... öhm, ja der Name ist schwer zu merken und auszusprechen, ersetzt. Sie wird es großzügig verzeihen. Viel Spaß beim Lesen – für eine solche Ausschüttung an Intellektualität verzichtet man doch selbst zu Weihnachten gerne auf abstrakte Märchen. Oder?

Guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren zu unserem heutigen Vortrag dessen Thema lautet: Generationskonflikte – Können Menschen verschiedener Altersgruppen zusammen arbeiten? Nachdem ich sie eine halbe Stunde damit gelangweilt haben werde darzulegen, dass Generationskonflikte ständig und überall auftauchen, gebe ich meine überaus hörenswerte und gähnenswerte Philosophie zur menschlichen Entwicklung zum besten, auch wenn das etwas am Thema vorbeirauscht und ziehe daraus den Schluss, dass ein Konflikt sich nicht vermeiden lässt, ohne genauer zu begründen, wie ich zu diesem Fazit komme.

Sei’s drum, wir kommen zum spannenden Teil: ein Beispiel!
Ja, Menschen verschiedenen Alters können zusammenarbeiten. Aber hat jemand von Ihnen, meine verehrten Damen und Herren, sich schon einmal über die Konsequenzen Gedanken gemacht? Können sie sich vorstellen, wie so eine Zusammenarbeit abläuft? (Die Rednerin seufzt an dieser Stelle resigniert)
Nun denn, ich werde nun von eigener Erfahrung aus (m)einer Redaktion berichten. Auch wenn das etwas nach einem Märchen klingen mag, seien Sie vergewissert, ich zitiere absolut quellengetreu, man ist ja schließlich Wissenschaftler... Auch wenn einen schon offenbar alle guten Geister verlassen haben. Die Gründe werden sie sich bald von selbst erschließen können.

1) Beschäftigen wir uns mit der Frage, wie verschiedene Alterstufen auf Neuerungen, etwa die Einstellung neuer Redakteure reagieren.

Aesi: Irgendwie war's hier mal viel stiller.... Pauli nicht da, Aesi döste, Cory las die BRAVO und Hallia stand am Igelkugelbrunnen und redete leise mit sich selbst.

Dafür hat die andere Altersgruppe natürlich eine Antwort parat. Statt mit Nostalgie, versucht sies mit Logik:

Hallia: So kann auch nur jemand aus der betagten Generation reden. Denn: Früher war ja alles viiiel besser. Früher war sogar alles so viel besser, dass die Leute nicht mal gemeckert haben, dass früher alles besser war. Irgendwie logisch, oder?

2) Des weiteren können wir überlegen: Wie viel Rücksicht nehmen die Gnerationen aufeinander?

Aesi: Ich bin da. Hiiehiiiier! Hier drunter... Hat mal wieder jemand den Schonbezug über den Sessel geworfen und nicht darauf geachtet, dass noch ein alter Mann darin schnarchte. Rücksichtslose Jugend.

3) Inwiefern beeinträchtigt die Vielseitigkeit des Alters die Vorgänge in der Redaktion, etwa eine Chatsitzung?

Cory: Wird das ein Chat, wo wir alle dabei sind von der Redaktion, oder nur die "Oberen"?

Aesi: Nein, Cory, alle. Alle, die über 18 sind, weil, Hallia erzählt zu fortgeschrittener Stunde immer so gerne unanständige Witze. (man beachte, wie hier auf jüngere herabgesehen wird)

Hallia: Ach, Aesi... jetzt lass sie doch mal dabei sein, irgendwer muss das Kind doch aufklären. Du als ihr Opa solltest wirklich so viel Verantwortung übernehmen. Kann ja nicht angehen, dass ich das als Chef auch noch übernehmen muss *gnaa* (man beachte: Verantwortung wälzt jeder Erwachsene von sich)

Cory: *zungerausstreckundlangenasezeig* (man beachte die Schamlosigkeit der Jugend)

Aesi: Ich würd's ja machen, Hallia, aber die Kinder von heute fragen Sachen... Ich kann mich auch nicht mehr so richtig erinnern. (man beachte die Hilflosigkeit der Erwachsenen)

4) Wie öffnen sich die Redaktionsmitglieder für neue Ideen?

Hallia: Also wenn eine Spezialausgabe zum Thema Halloween machen, würde ich sagen, wir sollten in 2 Wochen inhaltlich fertig sein, dann eine Woche Korrektur und html. Dann ca. eine Woche vor Halloween rausbringen.

Aesi: Aber nächstes Jahr ist doch auch noch Halloween.

Cory: "...wir sollten in 2 Wochen inhaltlich fertig sein...", da bin ich ja jetzt schon innerlich fertig. Menno.

Hallia: Armer alter Aesi *schulter tätschel* Du überlebst das. Du musst dich auch nicht als Kürbis verkleiden.

Cory: Aesi Kürbis – Kürbissuppe – Kürbiskuchen - Ich mag keinen Kürbis

Aesi: Um deine Antipathie alternden Tattrichen gegenüber auszudrücken, brauchst du keinen Umweg über's Gemüsebeet zu machen, Mäuschen.

Gerade das letzte Beispiel zeigt auch, wie fein verpackt die Jugend Fiesigkeiten einbringt, sodass es schwer fällt offen etwas vorzuwerfen. Nur wegen diesen feinen Sticheleien anstatt offener Beleidigung ist die Zusammenarbeit möglich. Faszinierenderweise unterstellt die Jugend der älteren Generation entweder die Anspielungen nicht zu verstehen oder provoziert tatsächlich. Aber dass die Jugend gerne provoziert, wissen wir ja dank meiner vorhergehenden Ausführungen schon.
5) Hier noch mal ein Beleg:

Cory: Nachdem alle Rabenredakteure im bett sind, leise Tokio Hotel aufdreh... Hört eh niemand.

Hallia: ich hör aaaalles. Mach das bloß aus, die Redaktion blamiert sich ja furchtbar, wenn das rauskommt *seufz*

Cory: Ich ab doch Aesiopi das Hörgerät geklaut und sonst tratscht doch niemand... oder?

Nun ja, wen wundert es da, dass sich niemand mit dem Thema des Generationskonflikts beschäftigen möchte, wenn man schon im Alltag versucht es still und leise zu vertuschen. Das belegt auch dieses Zitat, als Antwort auf den Vorschlag eines Mutigen mal einen Auszug einer historischen Arbeit über einen Generationskonflikt in der Rabenpost zu veröffentlichen:
“Ach nee, lieber nicht, mir reicht das Thema schon aus unserer tagtäglichen Redaktionsarbeit. Kein Wunder, dass deine Arbeit so gut geworden ist, bei soviel praktischer Erfahrung...“
Leider zeigt sich: Keiner bemüht sich darum den Konflikt beizulegen, obwohl man sich dessen Existenz bewusst ist. Durch Gruppenbildung werden die Differenzen mitunter sogar verstärkt und Ärger wird nicht ausgetragen, sondern im Keim besänfitgt.

Cory: Ich beantrage, dass Melinda, ping pong (derkleineweißeball) und Pauli die Tische getrennt bekommen. Das Gekicher ist ja zum aus der Unterwäsche fallen.

Pauline: Pscht! *mit Schokoriegel in der Hand wedel* Du kannst ja deinen Schreibtisch auch zu unseren rücken... da ist ja noch Platz.

Hallia: Ja ja, und die alte Generation wird abgeschoben *püh* aber Melinda ist doch älter als ich *kopfkratz* zeigt nur mal wieder, dass das alter nichts über die geistige Entwicklung aussagt.

Melinda: Boah, die lenken mich total ab seid Cory hier sitzt... *zu Hallia und Aesi rück* hier fühl ich mich gleich wohler...

Hallia: Kuhul, jetzt haben wir noch ne Quasselrunde der Alten. Aber wir haben natürlich einen höheren Intellekt und deshalb ist diese Quasselrunde genau genommen eine Gruppe zur Erörterung komplexer Themen. (wohlgemerkt, die komplexen Themen werden den Jüngeren nicht erläutert.)

Doch kommen wir auch noch einmal auf die positiven Seiten des Konflikts zu sprechen. Um nicht mit einem vollkommen pessimistischen Satz abzuschließen, möchte ich noch einmal auf eine eher nebenbei fallen gelassene Bemerkung der Redakteure eingehen, die – trotz des unübersehbaren Sarkasmus – zeigt, was die Zusammenarbeit verschiedener Generationen bringt und wie eng diese auch verbunden sind.

Cory: Wo oder was ist denn mit meinem Opi los? Ich vermiss ihn grad ganz furchtbar.

Hallia: Da bist du nicht die einzige... Wir werden hier ja alle ganz faul, wenn niemand da ist, der nörgelt.

Cory: Ja, dieses ewige auf mir Rumhacken fehlt mir direkt...

Mir fehlt der ganze Haufen. Zum Teufel mit der Wissenschaft. Es fehlt auch einfach an Glaubhaftigkeit - die eigenen Mitarbeiter nehmen einen ja nicht mal ernst (Seufzen) und das Märchen erzählen hab ich mir doch zu sehr angewöhnt. Dieses Märchen ist zumindest als Gute Nacht Geschichte zu empfehlen. Schneller sind sie lästige Kinder noch nie losgeworden. Und da kommt mir die Idee... ich glaube, ich sollte von der Generationenforschung auf Erziehungsforschung umsteigen. Genug Versuchsobjekte gibts ja zum Glück auch in der Redaktion *Händereib*

Eo-Lahallia