Vom Geist der Weihnacht
Eigentlich hab ich mir nicht viel dabei gedacht, als ich bei diesem Gewinnspiel im Internet teilgenommen habe. Frage: „Wer schrieb die Geschichte, die dem Musical „Vom Geist der Weihnacht“ zugrunde liegt?“ – Ganz klar, Charles Dickens, denn es handelt sich bei diesem Stück nur um eine Adaption der sehr bekannten Weihnachtsgeschichte (A Christmas Carol). Aber dann war die Sache auch recht schnell wieder vergessen. Und plopp! Zwei Tage später fällt mir eine Email mit herzlichen Glückwünschen zum Gewinn ins Postfach. Wers glaubt, wird selig, denk ich. Ich gewinne nie was...
Tja, selig war ich wirklich, als mir klar wurde, dass es kein Scherz war. So befanden wir uns an einem vorweihnachten Sonntagabend in Frankfurt und suchten – auf Umwegen – den Musicalpalast.
Der Musicalpalast ist auf dem Messegelände in Frankfurt (M), die Bezeichnung ist jedoch irreführend, denn er besteht aus zwei großen blauen Zelten. Von außen kleiner aus, als sie sind. Kein Wunder, dass einige verirrte Leute auf dem Hinweg trafen, die verwirrt den mysteriösen „Palast“ suchten.
Die Weihnachtsgeschichte ist sehr bekannt, aber um die Erinnerung aufzufrischen: Der geizige Pfandleiher Scrooge empfindet Weihnachten als Plage und „Rattendreck“, Freundlichkeit ist ihm fremd. Da besucht ihn in der Heiligen Nacht der Geist seines verstorbenen Geschäftspartner Marley. Wegen seiner Hartherzigkeit ist er nun als Geist an die Erde gekettet und kann sich nur befreien, wenn er seinen früheren Freund bewegt ein besserer Mensch zu werden. Ihm zur Seite steht ein Engel, der sie in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft führt.
Am Anfang wirkte die Musik noch relativ seicht. Doch im Verlauf wurde es immer schöner. Die Charaktere sind schön gezeichnet, ein bisschen für Kinder und auf der anderen Seite auch so, dass man es als Erwachsener nicht albern findet. James Sbano spielt Scrooge sehr griesgrämig und zynisch und bringt auch seine Selbstzweifel rüber, als die böse Fassade zu bröckeln beginnt. Ein Charakter, an dem sich wohl die Geister scheiden, ist Marley, gespielt von Peter Trautwein. Er passte perfekt in die Rolle und gestaltete sie sehr lebhaft, doch teilweise erinnerte Marley auch an ein maulendes Kind. Damit besteht die Gefahr, dass man den Charakter nicht mehr ernst nimmt.
Neben sanfter, gefühlvoller und auch etwas banaler Weihnachtsmusik ist unerwartet ein Rap eingebaut: nun ja, Rap ist wirklich Geschmackssache, aber es war genial, wie lebhaft die korpulente Darstellerin Anne Welte ihn vorgetragen hat und es verstand Ensemble und Publikum mitzuziehen.
Leider gab es kein Lifeorchester oder -band, sondern ein Playback, weshalb ich die Preise – auch wenn ich diese ja nicht bezahlen musste – deutlich überzogen fand.
Besonders aufwendig waren die Kostüme. Da störte es kein Stück, dass das Bühnenbild absolut schlicht gehalten wurde und das war so absolut richtig, es wirkte damit nicht so überladen. Die Bühne hat mich überhaupt am meisten fasziniert: sie war vorne ähnlich einem Halbkreis, hinten erhoben sich an jeder Seite zwei Stufen. Dann gab’s noch ferngesteuerte Seitenelemente wie das Bett von Scrooge, das so hoch war, dass er sich immer mit Anlauf draufkullern musste. Im großen und Ganzen schafften es schon die Umgebung und die Ausstattung weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen.
Leider, leider war das Theater nicht mal halb gefüllt. Das fand ich sehr traurig. Gerade in der Woche muss es ja noch weniger besetzt sein. Aber offenbar ist die Werbung nicht so gut, zumindest wusste ich zuvor kaum etwas über die Inszenierung in Frankfurt, und die Preise sind etwas zu hoch, gemessen an dem Aufwand, den man in Kauf genommen hat.
Tja, und hinterher gab es dann sogar noch ein Treffen mit den drei Hauptdarstellern. Weil die anderen Gewinner der Tickets ihre Chance nicht ergriffen haben, ihre Tickets abzuholen, waren wir die einzigen. Auf der Bühne wurde ein Foto von den Darstellern und uns gemacht; ich wäre am liebsten nicht mehr von dieser hübschen Bühne runtergegangen. Von allen gab es Autogramme - jetzt hab ich ganz in Echt mal James Sbano das Händchen geschüttelt und kann kaum damit prahlen, weil ihn zu viele Leute nicht kennen. Dramatisch... Aber dafür bleibt es für mich ein besonderer Abend.
Etwas möchte ich noch weitergeben, das James Sbano neben sein Autogramm ins Programmheft geschrieben hat: „Life is good!“ In manchen Momenten wirkt es mal besser, manchmal schlechter, aber im Großen und Ganzen kann es meistens sehr gut sein, wenn wir das zulassen – so als ob der Geist der Weihnacht immer bei uns wäre.
Eo-Lahallia